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Clubreise auf die schwäbische Alb

Die 2016er Reise des Clubs führte 20 Teilnehmende im  Mai zu den nicht so fernen Nachbarn ins Schwäbische. Noch weit vor der Existenz von Schwaben und Badenern bevölkerte Meeresgetier das Land. Dessen Tod im sauerstoffarmen Schlick des Meeres lässt bis heute erstaunliche und sehr anschauliche Versteinerungen zu Tage treten, die wir im Urweltmuseum Hauff in Holzmaden bewundern durften.
 
Bei strahlendem Sonnenschein ging es über die Alb mit blühenden Wiesen und gelben Rapsfeldern nach Blaubeuren, wo die erste herzhafte schwäbische Mahlzeit dieser Reise anstand. Im Urgeschichtlichen Museum von Blaubeuren waren die erstaunlichen Arbeiten aus Tierknochen zu bewundern, die mit einem Alter von vierzigtausend Jahren die ältesten figürlichen Darstellungen der Menschheit sind. Bis hin zu Tönen aus Knochenflöten wurde uns die Urzeit nahegebracht. Ein Abstecher zum berühmten Blautopf schloss den Besuch ab. Trotz bedeckten Himmels war der Quelltopf blau und gut besucht.

Der Weg führte uns über das Härtsfeld, das östliche Ende der Schwäbischen Alb. Das Sonntagziel, die Klosterkirche Neresheim, begrüßte uns mit dem einmaligen Schauspiel eines Regenbogens, der das Kloster überspannte. Aber an diesem Tag ging es daran vorbei ins bayerische Ries. In mitten des Meteoritenkraters liegt die Stadt Nördlingen, in der wir für zwei Tage Quartier bezogen, nachdem unser Fahrer ein Stadttor ausfindig gemacht hatten, das unser Bus passieren konnte. Am Hotel wurden wir abgeholt zur Stadtführung. Sie zeigte uns die intakte Stadtbefestigung. Sie ist die einzige Stadtmauer Deutschlands, die einen vollständig erhaltenen und überdachten Wehrgang und 5 Tore besitzt und die noch ringsum auf 2,6 km begangen werden kann. Viele schön gerichtete Häuser ließen uns ebenso staunen, wie die Geschichte vom Türmer, der noch jeden Abend sein „so G‘sell so“ in Richtung aller Tore ruft. Die Führung endete im Keller eines urigen Restaurants in der Altstadt und wir beschlossen den Tag mit einem bayerisch-schwäbischen Mahl.

Nach erholsamer Nacht in der ruhigen Altstadt ging es am Morgen gen Aalen. Dort empfing uns am Besucherbergwerk „Alter Stollen“ einer der Mitinitiatoren der Öffnung des Bergwerks für Besucher. Die Mutigen fuhren mit der Grubenbahn ein und konnten lernen, wie modern und clever das Bergwerk im 19 Jahrhundert geplant wurde, um die vollen Hunde leicht aus dem Berg zu transportieren und stets frische Luft zu haben. Auch war zu hören, wie wichtig die Erzgewinnung für das Königreich Württemberg im 19 Jahrhundert war, wie weit die Ausstrahlung in verarbeitende und verwandte Branchen bis heute wirkt und wie innovativ das Hüttenwesen im ganzen Südwesten gewesen ist. Den Abschluss fand der Besuch in der Gaststätte Erzgrube. Im historischen Betsaal, in dem die Bergleute vor jeder Schicht sich umzogen und beteten, konnten wir ein vorzügliches Mahl genießen.
 
Die Fahrt führte uns weiter ins Aalener Limesmuseum, einem Teil des UNESCO-Weltkulturerbes obergermanisch-rätischer Limes. Dort erfuhren wir u.a. dass der Name der Stadt Aalen von Ala stammt, der Bezeichnung für eine 1000 Reiter starke Einheit der Römer, die größte Reitereinheit Roms nördlich der Alpen. Entsprechend groß war das Kastell, auf dem sich auch das Museum befindet. In der Ausstellung konnte einer unserer Freunde sogar seine Fähigkeiten auf drei nachgebauten römischen Blechblasinstrumenten unter Beweis stellen.
 
Den letzten Besuchspunkt des Tages bildete die Burg Katzenstein, die wie im Bilderbuch über dem südlichen Härtsfeld thront. Sie würde jeder Modelleisenbahn-Landschaft Ehre machen. Sie ist schon lange in wechselndem Privatbesitz, wie uns er launige Führer mitteilte und der die Frage nach dem jetzigen Eigentümer so beantwortete: „Sie gehört dem Mann meiner Frau“. Seine humorvollen Kommentare haben uns die Geschichte besonders anschaulich nahe gebracht. Und es wurde auch schon Schloss Baldern erwähnt sowie das Fürstenhaus Oettingen-Wallerstein. Warum einer ihrer Zweige, nachdem er Baldern geerbt hatte, lieber dorthin umzog, konnten wir am Samstag leicht nachvollziehen: vom mittelalterlichen, kargen Gemäuer in eine zum Schloss umgebaute Anlage. Zurück in Nördlingen bildete ein Abendmenü in einem schönen Restaurant direkt vor den Toren der Stadt den Abschluss des Tages.

Am letzten Tag strebten wir dem Höhepunkt der Reise zu: Kloster Neresheim, das majestätisch über dem Härtsfeld thront. Ein kundiger Pater führte uns in die Kirche und konnte uns viel über sie erzählen. Als Ersatz einer romanischen Vorgängerkirche wurde sie als letzter Bauabschnitt des barocken Neubaus des Klosters verwirklicht. Geplant von dem berühmten Balthasar Neumann (Residenz Würzburg) öffnet sie sich als eine Abfolge von sieben Ovalen mit einer unglaublichen Helligkeit durch direkte und indirekte Lichtführungen. Ihren Abschluss bilden die prächtigen Deckenfresken von Martin Knoller, die als Blüte des Spätbarock bezeichnet werden. Bis zu ihrer Fertigstellung und Weihe 1793 hatte die Baugeschichte viele Abenteuer zu bestehen. Und man mag es kaum glauben, dass diese großartige Kirche nur 10 Jahre ihre Bestimmung erfüllte, bis bereits 1803 in der Säkularisation das Kloster für die nächsten 120 Jahre aufgegeben wurde.
Eine ganz eigene Geschichte schloss sich an, als die Kirche 1966 praktisch über Nacht wegen Einsturzgefahr gesperrt werden musste. Das Büro eines unserer Lionsfreunde und sein damaliger Professor waren maßgeblich an der Rettung der Kuppel beteiligt. Er konnte es deshalb selbst übernehmen, eine Gruppe auf den Dachstuhl zu führen, der sonst nicht zugänglich ist. Dort erklärte er anschaulich, mit welcher präzisen Feinarbeit das Dach und die in Holz konstruierten Kuppeln angehoben, fixiert und geschützt werden mussten. Eine zweite Gruppe erfuhr im Klostermuseum Erstaunliches zur Bedeutung der Klosterschule für die technisch aufgeschlossene Bildung der Buben auf dem Härtsfeld. Beide Gruppen trafen sich im Klosterhospiz zum gemeinsamen Mittagessen.

Erneut begleitete uns die Landschaft des Härtsfeldes auf der Fahrt nach Bopfingen mit dem charakteristischen Ipf, einem Vorberg der Alb, dessen Kuppe schon die Kelten zu einer Fluchtburg einebneten. Im nördlichen Vorland der Alb liegt auf einer Kuppe Schloss Baldern. Es bildet mit seinem weltlichen Barock den Abschluss dieses „Barocktages“. Geführt wurden wir durch die Waffensammlung, die historischen Gemächer und den Festsaal, der mit seinen hohen Fenstern weit in die Landschaft blickt.

Auf der Weiterfahrt ins Remstal schüttete der Himmel sein Wasser aus, wie wir später erfuhren, mit z.T. schlimmen Unwettern und Hagel in der Region. Wir kamen unbehelligt nach Weinstadt-Endersbach, wo uns ein uriger Keller in einer Weinstube begrüßte. Der Probe eiheimischer Weine folgte das letzte schwäbische Menü dieser Reise, die meisten hatten sich für den Zwiebelrostbraten und einen guten Lemberger entschieden.